Janus
Janus war einst einer der bedeutendsten römischen Götter. Nach der Legende soll er, durch Opfer und Verehrung angerufen, verhindert haben, daß Rom nach dem Tarpeia - Verrat den Sabinern anheimfiel. Zur Erinnerung an diese Errettung mußte in Kriegszeiten sein Tempel offenstehen, damit er vom Volke unmittelbar um Hilfe angerufen werden konnte. War Frieden in Rom, dann blieben die Tempeltore geschlossen. Janus wurde auch verehrt als der Gott des Morgens, des beginnenden Tages. Er war der Gott, der die Vergangenheit und die Zukunft überschaute: auch der Beginn des Neuen Jahres war als Fest ihm geweiht.
Mit der Verehrung als Gott des Tages- und des Jahresbeginns kamen allgemein das Licht und die Sonne unter seinen Schutz.
Er war das männliche Prinzip zur Jana und Diana, und so wurde Janus allmählich zum Gott allen Ursprungs, allen Anfangs, zum Beschützer aller Quellen und sogar der Götter.
König Numa soll seinen Dienst in Rom eingeführt und ihm einen Tempel auf dem Forum geweiht haben.
Frühe sinnbildliche Darstellungen des Gottes, z.B. auf Münzen, welche Servius Tullius 578 - 534 v.Chr., nach der römischen Sage der 6. König von Rom, prägen ließ, zeigen Janus mit einem Doppelgesicht vorwärts und rückwärts blickend (daher die Beinamen Gemius, Bifrons, Biceps). Vierköpfig erscheint er auf den Münzen Hadrians ( römischer Kaiser, 76 - 138 n. Chr. ). Nach einer anderen Darstellung zählte Janus in der rechten Hand 300 und in der linken 65 Steinchen, was auf die Tage eines Jahres hindeutet. Auf weiteren Bildern hatte er in der Rechten einen Stab, in der Linken einen oder mehrere Schlüssel, als Symbole des Wächters der Himmelspforten, des Bewegers des Weltalls, des Öffners und Verschließers des Himmels, aber auch als Beherrscher der Wolken, des Landes und des Meeres ( daher wurde Janus auch mit den Beinamen Claviger, Clusius, Patulcius bezeichnet ).
Auch unter seinem Schutz standen die zahlreichen Durchgänge, die es in dem eng gebauten Rom gab, sowie alle Haustüren. Nach ihm hieß die Tür Janua und jeder unverschlossene gewölbte Gang Janus.
Später wurde er als Beschützer des Ackerbaus, der bürgerlichen Gesetze und der gottesdienstlichen Gebräuche verehrt.
Ihm waren der Kalender, die Anfänge aller Monate sowie der ganze Januar als Anfang des Jahres geweiht. Feierliche Opfer begannen mit seiner Verehrung, bei jeder wichtigen Unternehmung rief man ihn an, ihm opferte man bei Antritt eines Amtes, beim Beginn einer Ernte.
Rationalistische Mythologen machten Janus zu einem König in Latium und zum Erbauer des Janiculums, dem Janus - Heiligtum von Rom im heutigen Stadtteil Trastevere.
So betraf seine Verehrung fast alle Bereiche des täglichen Lebens.
Was hat nun Janus mit der Psoriasis zu tun ?
Sicher gibt es keine direkten Zusammenhänge, doch läßt sich mancher Gedanke an die eine oder andere Vorstellung der alten Römer knüpfen.
Die Psoriasis ist eine Erkrankung, die aus dem Dunkel der Vererbung kommt, die in jeder Familie auftreten kann und die durch ihre Auswirkungen manchen Lebensweg beeinflussen und überschatten kann. Aber die helle Seite des Lebens, die Sonnenstrahlen, das bewußte Bemühen um eine gute, frohe Lebensauffassung und die therapeutischen Maßnahmen helfen, diese Belastungen zu bessern und als erträglich zu empfinden. Im Idealfalle wollen wir von Krankheit frei und von den Psoriasiswirkungen unbehelligt sein.
In diesem Sinn zeigt die Doppelgesichtigkeit des Janus auch unser Problem: die Schatten der Erkrankung sollen vertrieben werden und das Leben hoffnungsvoll und liebenswert sein.
Dieser Ausblick mag jeden Angesprochenen anregen, die Erforschung der Psoriasis soweit wie möglich zu unterstützen und mitzutragen.
aus Psoriasis Magazin 27 / 80
