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Gesundheitliche Selbsthilfe – Stiefkind des Systems

Die gesundheitliche Selbsthilfe hat sich längst zur geschätzten, ehrenamtlichen Säule des deutschen Gesundheitswesens entwickelt. Politiker werden deshalb auch nicht müde, den ehrenamtlichen Einsatz in der Selbsthilfe zu loben. Wer damit allerdings eine große gesellschaftliche Relevanz dieser Gruppe von Menschen verbindet, wird enttäuscht werden. Die Relevanz einer gesellschaftlichen Gruppe zeigt sich auch an den zur Verfügung ge­stellten Ressourcen. Ansprüche und Auf­gaben an die gesundheitliche Selbsthilfe steigen. Mitberatung ist gewünscht, aber bitte zum Null-Tarif.

Gesetzliche Kassen: 0,0029 Prozent

Es gibt zum Glück Menschen, die der gesundheitlichen Selbsthilfe aus versteuertem und mit Sozialabgaben belastetem Einkommen privat Mittel zur Verfügung stellen. Der Gesetzlichen Krankenversicherung sind die Selbsthilfeaktivitäten im Rahmen von § 20c SGB V  0,0029 Prozent von den rund 143 Milliarden Euro an Versichertenbeiträgen, also  42 Millionen Euro für alle Organisationen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene wert. Die nebulöse mit wechselnden Verwaltungsvorschriften begleitete Verteilung sorgt dafür, dass weniger als zehn Prozent des Beitragsanteils, denn Menschen mit Schuppenflechte selbst für die Selbsthifeförderung bereitstellen, in der Selbsthilfe bei Schuppenflechte ankommen! Die Mittel dienen nach Auffassung des DPBs zunehmend der Strukturförderung, die den kranken Menschen nichts bringt.

Private Kassen: 0,00 Prozent

Private Krankenversicherungen scheiden ganz aus. „Unternehmen der privaten Krankenversicherung sind nicht Adressat der analog in Bezug genommenen Regelung des § 20 SGB V“, schreibt  der Verbandsdirektor der privaten Krankenversicherer Dr. Volker Leienbach dem DPB. Bei der privaten Krankenversicherung handele es sich vielmehr um eine Individualversicherung, die im tarlich vereinbarten Rahmen den Versicherten Ersatz der entstandenen Aufwendungen leiste. Pauschale Förderleistungen seien nicht Bestandteil der vertraglichen Leistungen. Leistungsausgaben der privaten Krankenversicherung müssten vielmehr stets den einzelnen Versicherten zugeordnet werden können. Neben den Versichertengeldern stünden nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung. Die private Krankenversicherung hat sich auf Verbandsebene ganz auf eine Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung konzentriert und zugleich beschränkt. Wir bitten vor diesem Hintergrund um Verständnis, dass wir uns nicht in der Lage sehen, Ihre – sicher verdienstvolle und anerkennenswerte – Arbeit finanziell zu unterstützen“, karikiert Dr. Volker Leienbach. Für Soziales bleibt nur verdienstvolle Anerkennung.

Mittel für Sachleistungen

In Deutschland scheint es wichtiger zu sein, Mittel in die Ebenen der Leistungserbringer für Sachleistungen zu pumpen, anstatt solche Ebenen Strukturen zu unterstützen, die eher geeignet sind laienverständlich über Krankheiten und deren Behandlung aufzuklären, zu beraten, Empatie und Anleitung zur Selbsthilfe zu bieten, Partnerschaft zwischen Patient und Arzt zu schaffen und Behandlungskarrieren abzukürzen. Solche Aktivitäten sind "verdienstvoll und anerkennungswert" (solange sie privat finanziert werden). Und ist es nicht komisch, dass die private Krankenversicherung eine "Abteilung" vom Bundesministerium für Gesundheit sponsort?

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